Frau Freisinn

Frau Freisinn ist eigensinnig. Da kommt nicht immer was man erwartet oder sich erhoft oder was man sich verspricht. Frau Freisinn ist lediglich ein Sprachrohr aus den Gedanken und Wörtern die UNS umgeben. Frau Freisinn ist Querdenker, Lückenfüller, Treiber und Zeiträuber. Zwischen den Zeilen schreiber, Wahrsager, Rückblicker.
Frau Freisinn ist, in Dauerschleife, in Schaffungskriese und erfindet sich gerne neu.
Frau Freisinn sagt “Hier, hab ich gemacht, frag aber bitte nicht warum und wofür du es gebrauchen könntest.”
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Experimentell

Jeder Moment besitzt seine ganz eigene Form, wie traditionell oder experimentell er auch festgehalten oder erzählt wird.
Das Leben ist chaotisch, unlogisch, launenhaft und sinnlos, es sei denn wir geben ihm zu jedem Moment oder spätestens im Nachhinein einen Sinn.
Was sehen wir dann?
Rückblickend sehen wir dann einen ungeheuren, dreidimensionalen Aufzug des Lebens, nicht unendlich wie der wirkliche, aber verwirrend und farbenprächtig genug! Ein funkelnder Strom wunderbarer Dinge- ständig sich ändernd, sich verwandelnd, seine Geschöpfe mit sich fortreißend, aufwallend und vorüberbrausend.
Was uns an einem Bild unmittelbar anrührt, ist nicht das Gesellschaftliche sondern immer und allein das Menschliche.
Gerade die Eigenschaft, dass das Bild als Auslöser zum erneuten Hingucken auffordert oder einen in Lyrische Ergüsse zu zerfließen droht, welche das Inszenieren von Situationen oder das Erfinden von Geschichten als Kunstform zweifelhaft erscheinen lassen, haben ihr Glück gemacht.
So vermag das Zusammenspiel von Bild und Beschreibung, durch drastische Gefühle oder lebendigen Dialogen, dramatisch wirken, aber gibt auch ein Stück Philosophie und Ästhetik.
Kurz: Diese Gemeinschaft ist wie der Mensch der Gegenwart selbst, ein zwar geschmackvolles, aber formloses Mischprodukt.
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MON DIEU

Solidarität beweisen? Braucht man dafür ein aktuelles Attentat?
Tag täglich leben Erwachsene und Kinder, in der Nachbarschaft in der Ferne, in Städten, Wüsten, Felsen, Dörfern, ringen um ihr Brot, gegen Wind, Frost, Dürre, Sonne und Krieg.
Mit einer Hand voll Geld kann man eine ganze Welt umkonstruieren….NEIN, mit der richtigen Hand voll Geld und mit der richtigen Absicht kann man eine ganze Welt umkonstruieren.
Die Menschen wechseln ihre Moral und braten ihr Gewissen in goldenen Pfannen, Scharfäugige greifen zum Blindenstock, Hellhörige werden taub, Denkende werden zu lallenden Nachäffern.
Es ist alles nur eine Frage der Summe. Des Geldes wegen werden Völker vernichtet, Christentum gepredigt, Moslem sein verurteilt. Ehrgeizlinge zu Politikern und brave Mütter zu geheimen Nachmittagsdirnen. Man macht Geschäfte mit seinen Feinden und verdammt die Kriege, die man finanziert. Wer das Geld hat kann das Matterhorn vergolden lassen oder die blaue Südsee rot färben, kann auf Hawaii Tannen pflanzen und den Himmel mit rosa Rauch beschriften.
Und das alles nur für ein armseliges Wissen von ein Paar Macht gesteuerte Menschen, die zu feige sind sich dem Ruhm zu widersetzen. Oder obliegt das in unser aller Natur? Dass alles geschehen zu lassen für einen kleinen Knick in der Moral, für ein Verschlingen der Empörung, ein Herunterschlucken der Ahnung, Zeuge einer großen Schweinerei gewesen zu sein. Mensch du bist ein Monster und der Erde größter Feind. Ein Mensch der sich mit jeden Tag tiefer ins Grab lebt und eines Tages wirklich in der rohgezimmerten Kiste liegt ohne jemals richtig gelebt zu haben,
Mon Dieu, was hast du alles verpasst auf dieser Erde!
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Morgenröte

Unsere Sinne betrügen uns nie, nur in unseren Köpfen gehen wir in die Irre.
Aber was genau ist das für eine willkürliche Grenze die wir ziehen oder versuchen zu greifen zwischen dem was wirklich ist oder dem was uns unwirklich erscheint?
Ich rede mir ein dass es, winzig kleinen, einzelne, Momente im Leben sind. Glückliche, die einen die Richtung angeben. Winzig kleine, einzelne, Ereignisse die mich in der Summe ein Bild malen lassen.
Ich überlegte Reflexionen zu diesem Bild zu Papier zu bringen, wenn ich wirklich, wie ich vorgab, das Talent zum Schreiben hätte.
Dann, und gerade deswegen überlegte ich, auf jeden Fall etwas zu schreiben, entschied jedoch dass dies müßig wäre.
Warum noch einen Eimer voll Buchstaben auf den Müllhaufen aus verlorenen Gefühlsbeschreibungen kippen die der Mensch seit der ersten Morgenröte, aus seiner sozialen Verarmung heraus gepresst hatte.
Gerade empfinde ich große Dankbarkeit, dass mein Schreiben mir lediglich als Denkmantel dient.
Ich gehe das Wagnis ein, auf das Schicksal und höhere Mächte zu vertrauen, irgendetwas, was träge in der Luft schwebt ohne runter zu fallen. Greifbar wenn ich will.
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Universelle Wahrheit

Während mein Verstand brüllt dass es weiter geradeaus gehen soll, bricht der Nebel der Stadt mein Blick und ich biege ab.
Ich finde mich wieder am Hauptbahnhof, hektisches klopfen von zielstrebigen Absätzen donnern an die Wände meiner Schädelplatte. Ein Gewimmel von gestressten Gesichtern rauscht an meinem Auge vorbei. Ich zieh mich innerlich zurück, schlürfe an einem Kaffee der mir, viel zu bitter und kalt, in den leeren Magen rollt. Die Stadt ist eine Märchenwelt. Statt Elfen und Zwergen und hungrigen Wölfen die in der Dunkelheit der Wälder lauern, haben wir Kannibalen und Sezierer, Vergewaltiger und Entführer die in Ecken der Städte auf uns warten.
Ich schiebe diese unschöne Tatsache beiseite.
Ein Gewitter von flackernden Werbetafeln schneidet sich in meine Netzhaut, das schnelle Tippen von Fingern auf Displays drückt sich in meinen Gehörgang. Da wird mir klar, ich gehöre dazu. Zu all der Jämmerlichkeit der Konsum geilen Masse. Bin ein weiterer Stein der gesteuerten Menschheit, die ihr Geld in die Taschen anderer wirtschaftet.
Ich wünschte mein Stein würde sich auflösen. In Staub und noch kleineren Atome. Werde davon geweht. Getragen vom Wind der noch unkontrollierten Gezeiten. Ich würde über diese Gefangenschaft hinweg fliegen und auf unberührten Boden blicken. Zuflucht finden auf Wüstenwellen und bin Surfer der Zeit.
 Doch die Wahrheit ist, dass ich verloren gehe in einer Welt in der man nicht alleine sein kann. Ortung und Kommunikationszwang. Allein vor dem Rechner und alles mit jedem teilen.
Doch die Wahrheit ist, dass ich ein Stein der Mauer bin die uns als Freiheit verkauft wird. Ich werde dies wohl immer sein.
Ich wünschte mein Stein würde wenigstens die Fassade bröckeln lassen, umso das Bauprojekt zu verzögern.
Doch die Wahrheit ist, dass die Freiheit diffuse in einer Ecke wartet, außerhalb meiner Reichweite.